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Schon bei meinem ersten Besuch eines Kaffee Anbaulandes 2011 in Mexiko ist der Klimawandel ein Thema gewesen. Heute, 9 Jahre später hat das Problem noch weiter zugenommen. Während es damals ganz vereinzelt Frosttage in Veracruz gewesen sind, haben wir es heute mit größeren Frostperioden, extremer Hitze / Dürre und Pflanzenkrankheiten zu tun die damals noch fast unbekannt gewesen sind. Warum das für uns als Rösterei von Bedeutung ist? Ganz einfach weil wir unsere Kaffees direkt importieren – weil wir uns Gedanken um unsere Partner und Farmer vor Ort machen. Und weil wir nach Wegen und Möglichkeiten suchen zu unterstützen. Zuerst einmal ganz simpel durch einen fairen Preis für die Kaffees die wir einkaufen. Denn nur so können die Farmer vor Ort forschen, neue Pflanzenarten ausprobieren und sich einstellen. Mit dem Wissen, das wir auch da sind wenn die Ernten einmal geringer ausfallen. Kaffee ist eben ein Naturprodukt – die Ernten und die resultierenden Mengen schwanken von Jahr zu Jahr. Doch die Frage die wir uns allgemein im Hinblick auf unsere Branche stellen lautet

Worauf warten wir?

Der Kaffeedurst steigt weltweit. Sogar sogenannte Schwellenländer, wie zum Beispiel Südafrika und Brasilien und die Erzeugerstaaten selbst, entdecken Ihre Kaffeelust immer mehr. Das beliebte Getränk war bisher nahezu dem Westen vorbehalten – jederzeit verfügbar und zu sehr günstigen Preisen. Bald könnte sich das jedoch ändern und Kaffee würde zum teuren Luxusgut avancieren – das hört und liest man zumindest in letzter Zeit immer öfter.

Die immer größer werdende Nachfrage ist daran allerdings nicht allein schuld. Der Kaffeeanbau wie wir Ihn kennen, ist durch den Klimawandel in seiner bisherigen Form essenziell bedroht. Nicht nur das der Klimawandel weit entfernte Polkappen schmelzen und Südseeinseln versinken lässt – nein- auch vor der weltweiten Landwirtschaft und dem großen Geschäft mit dem Kaffee macht er nicht halt.

Doch wie stark ist der Kaffeeanbau in den Erzeugerländern vom Klimawandel nun wirklich bedroht? Und was könnte das alles für den globalen Kaffeemarkt bedeuten?

Unser Klima im Wandel

Die Kaffeewirtschaft wird vom Wandel des Klimas in zweierlei Hinsicht beeinflusst. Schädlinge und Pflanzenkrankheiten treten vermehrt auf und haben ein leichteres Spiel. Begünstigt wird dies durch die veränderten Niederschläge und Temperaturen. Auf der anderen Seite führen diese neuen klimatischen Bedingungen dazu, dass ganze Regionen und Länder bald nicht mehr für den Kaffeeanbau geeignet sein werden. Betroffen sind von alledem die beiden heutzutage meist genutzten Varietäten Arabica und Robusta gleichermaßen. Gerade jetzt, in Zeiten, in denen die Nachfrage nach Kaffee immer weiter und weiter steigt, ist der drohende Verlust von Anbaugebieten wirklich Besorgnis erregend.

So wird der Kaffeeanbau bedroht

Brasilien, Vietnam, Indonesien, Kolumbien und Äthiopien gehören weltweit zu den wichtigsten Kaffee-Produzenten und -Exporteuren. Regionen zwischen dem 23. Breitengrad nördlicher Breite und dem 25. Breitengrad südlicher Breite sind aufgrund des meist subtropischen oder tropischen Klimas ideal für den Anbau von Kaffee. Doch nun scheint sich rasant zu ändern was lange Zeit funktionierte: Die idealen Voraussetzungen wandeln sich oder verschwinden gar ganz.

Leider mangelt es oft am nötigen Know-how um Anpassungsstrategien zu entwickeln oder es fehlt die Einsicht das gehandelt werden muss. Woran es jedoch vor allem auf der ersten Stufe der Wertschöpfungskette fehlt, ist Geld. Der Weltmarktpreis für Kaffee liegt schon seit Jahren unter den eigentlichen Produktionskosten. Dennoch: Auch ohne die Ausmaße des Klimawandels sorgen die niedrigen Kaffeepreise dafür das die Farmer Ihre Betriebe aufgeben müssen, da sie vom Kaffeeanbau einfach nicht mehr leben können. Auch dies ist eine Entwicklung, die vor dem Hintergrund steigender Nachfrage bedenklich stimmen müsste. Durch die andauernd niedrigen Kaffeepreise können wichtige Investitionen in Richtung Klimafolgenanpassung nicht getätigt werden, dazu gehören beispielsweise: neue Anbaumethoden, Züchtungsarbeit, Bildung, Biodiversität und Nachhaltigkeit.

Anbaugebiete werden verschwinden

Manche einer mag den Klimawandel und seine Folgen wahrscheinlich immer noch für Fake-News oder Hysterie halten, jedoch gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Studien aus den letzten Jahren, die das Gegenteil beweisen. Die unterschiedlichen Szenarien beschreiben wie sich wie sich der Klimawandel auf den Kaffeeanbau zukünftig auswirken wird. Anlass sich entspannt zurückzulehnen gibt keine der wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Pablo Imbach und seine Kollegen des Internationalen Zentrums für tropische Landwirtschaft in Hanoi untersuchten beispielsweise in Anbaugebieten Mittelamerikas die Entwicklung von Niederschlag und Temperatur. Bereits 2017 lautete Ihre Vorhersage: Bis 2050 könnte die nutzbare Fläche im größten Anbaugebiet um 73 bis 88 Prozent zurückgehen. Auch in Südamerika sieht die Lage nicht viel besser aus. Selbst der größte Kaffeeerzeuger weltweit Brasilien, muss sich laut Agrarwissenschaftler Wilfried Bommert vom Institut für Welternährung (World Food Institute e.V.) im Laufe der nächsten Jahre auf einen massiven Klimabedingten Rückgang der Anbaufläche einstellen.

Der wilde Kaffee stirbt aus

Dass der Klimawandel die Bestände des wilden Arabica Kaffees bedroht, hatten Forscher des britischen Botanischen Gartens Kew Gardens bereits 2012 herausgefunden. Nicht zu selten wird dieser als wichtiges genetisches Reservoir bezeichnet, das gerade jetzt im Kampf gegen den Klimawandel an Bedeutung gewinnt. Der wilde Kaffee könnte so genutzt werden, um genetisch verarmte, kommerzielle Sorten durch Einkreuzungen gegen Krankheiten und Umweltveränderungen stärker zu machen. Für Ihre Modelle kartierten die Forscher Verbreitungsgebiete des wilden Kaffees und simulierten auf der Basis von drei Szenarien des Weltklimaraters IPCC deren voraussichtliche Veränderung. Bis 2080 reduzierten sich die Bestände im Bestfall um bis zu 65 Prozent, im schlechtesten Fall seien bis zu 99 Prozent des heutigen Verbreitungsraums laut der Forscher nicht mehr vorhanden.

Die massiven Ernterückgänge

Leider sind die Auswirkungen des Klimawandels keine vage Zukunftsprognose, sondern für viele Kaffeebauern schon seid Jahren zu spüren. Hiervon ist vor allem der Bio Anbau sehr stark betroffen. Die Erntemengen von biologisch angebautem Kaffee aus Mexico und El Salvador schrumpften so in den letzten Jahren kontinuierlich, teilweise sogar um bis zu 90 Prozent. Auch in Kolumbien sanken die Erträge in den letzten Jahren deutlich. Da im Bio Kaffeanbau nur bedingt Maßnahmen gegen Krankheiten wie den Kaffeerost oder Schädlinge eingeleitet werden können, leidet dieser besonders unter Ernterückgängen. Allerdings ist auch zu beobachten wie sich neue und auch schon längst vergessene Krankheiten und Schädlinge häufen. Dasselbe gilt auch für extreme Wetterereignisse. So bedroht der Klimawandel auch schon heute aktiv die Existenz vieler Kaffeebauern. Genau diese Probleme gibt es aber nicht nur in vereinzelten Regionen, sondern einmal rund um den Kaffeegürtel herum.

Lebensgrundlagen, die verloren gehen

Durch die veränderten klimatischen Bedingungen wird die zuverlässige Planung und Organisation der Erntezeiten zunehmend schwieriger für die Farmer in den Anbauländern. Doch es sind nicht nur die schwierigeren und veränderten Bedingungen, mit denen die Farmer zu kämpfen haben. Mit anderen Worten bedeutet dass verschwinden der Anbauflächen nichts anderes als das verschwinden der Existenzgrundlage vieler Menschen in den Anbauregionen. Ersatzflächen gibt es dort in der Regel nicht. Es forschen zwar viele Wissenschaftler an der Frage, inwiefern möglicherweise andere Regionen und Länder durch die Veränderung des Klimas zukünftig für den Kaffeeanbau in Frage kommen – wie beispielsweise Australien. Doch es gilt dabei zu beachten, dass auch bei einer Verlagerung der Temperaturen in eine andere Region diese nicht unbedingt auch die nötigen landwirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllen.

Die Auswirkungen für den Verbraucher

Anbauländer, die in der Regel stark von der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte abhängig sind, sind aber nicht die einzigen die von dem Klimawandel stark betroffen sind. Auch wir als Konsumenten werden diese zu spüren bekommen. In Ihrem Buch „Verbrannte Mandeln. Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht“ erklären die Journalisten Marianne Landzettel und Wilfried Bommert, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Verfügbarkeit, deren Herstellung und vor allem auf die Preise unserer Lebensmittel hat. Da unsere heutzutage üblichen Hochleistungsnutzpflanzen in der Regel nur auf kleine Temperaturbereiche und gleichbleibende klimatische Bedingungen eingestellt sind, sind sie nicht sehr widerstands- oder anpassungsfähig gegenüber Veränderungen. Bommert glaubt, dass es den Kaffee im Zuge des Klimawandels besonders hart treffen wird. Die Folgen hierzulande seien nicht unmittelbar essenziell bedrohlich, jedoch würden uns diese genau in unserer Komfortzone treffen – eben bei den beliebtesten Genuss- und Lebensmitteln, wie auch zum Beispiel dem Kaffee, so die Erkenntnis der beiden Journalisten.

Das globale Kaffee-Defizit

Doch auch Greg Meenahan, Partnership-Director der gemeinnützigen, amerikanischen Forschungs- und Entwicklungsorganisation World Coffee Research sieht einen weltweiten Kaffeeversorgungs-Engpass auf uns zukommen. Da zum einen die Nachfrage schneller wachse, als das Angebot angepasst werden kann und zum anderen der Klimawandel ganze Regionen für den Kaffeeanbau unbrauchbar mache, wird mit einem Defizit von bis zu 180 Millionen Säcken oder umgerechnet 10,8 Tonnen Kaffee bis zum Jahr 2050 gerechnet. Meenahan schätzt, dass sich bis dahin die weltweite Nachfrage verdoppeln wird und gleichzeitig bis zu 50 Prozent der Anbauflächen aufgrund des Klimawandels unbrauchbar sein dürften, so zitiert Ihn 2019 die britische Tageszeitung The Guardian. Es wäre keine Überraschung, wenn dank der stark wachsenden Nachfrage und des gleichzeitig einbrechenden Angebots die Preise in die Höhe schnellen würden. Zumal auch die letzten Lagerbestände zum Ausgleich der fehlenden Ernte irgendwann einmal aufgebraucht sind.

Das Bewusstsein ist da

Auch der weltweit tätige Handelsverband Specialty Coffee Association (SCA) hat den Klimawandel und seine Folgen für die Kaffeebranche längst bemerkt und schildert die Thematik unter anderem in einem 24-seitigen White Paper. Unter anderem stellt man sich die Frage was die Industrie selbst tun kann, um unter den bereits veränderten Bedingungen und den noch zu erwartenden Veränderungen die Kaffeeproduktion zu halten. So schreibt die SCA, dass es für einige Farmen bereits zu spät sei, diese hätten längst auf andere Erzeugnisse umgestellt oder die Produktion ganz aufgegeben. Gleichzeitig betonen die Autoren des White Papers die Verantwortung der gesamten Kaffee-Wertschöpfungskette – einschließlich der Bauern, Kaffeetrinker und Röster. Alle Stufen trügen durch die Entwicklung von Treibhausgasen, die bei der Herstellung Verarbeitung, Verteilung und Zubereitung von Kaffee entstünden, zur Beschleunigung des Klimawandels bei. Mit der Studie „A bitter cup: climate change profile of global production of Arabica and Robusta coffee“ von Dr. Christian Bunn, bezieht sich die SCA auf die weiteren Auswirkungen des Klimawandels auf den Kaffeegürtel. Seit 2010 arbeitet der Agrarökonom nun schon am International Center of Tropical Agriculture in Cali, Kolumbien. Auch er sagte uns bereits 2014 einen Flächenrückgang von bis zu 50 Prozent bis 2050 voraus. Die SCA geht zudem davon aus, dass sich veränderte Temperaturen und Niederschlagsmengen unmittelbar auf die Arbeit auf den Plantagen und sogar auf die Qualität des Kaffees auswirkt. Auch ein vermehrtes Auftreten von Schädlingen und Krankheiten sei zu erwarten.

Was sollen wir tun?

Wie wir alle wissen ist der Klimawandel im vollen Gange und seine bisherigen Folgen und Entwicklungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Vieles von dem was uns Wissenschaftler öfter vorhersagten, lässt sich vermutlich auch nicht mehr aufhalten – Umso wichtiger ist es dennoch, endlich entschlossen zu handeln. Größtenteils sind die notwendigen Maßnahmen allen beteiligten klar. Journalist Wilfried Bommert zum Beispiel sieht die Lösung zum Beispiel in einer umfassenden Agrarwende, nur Sie könne wohl nachhaltig und langfristig den Kaffeeanbau retten. Dazu gehörten ökologische Maßnahmen, wie vor allem die wieder Aufforstung von Anbaugebieten, um den Kaffeepflanzen Schutz und Schatten zu bieten. Außerdem würde die Aufforstung dabei helfen die Grundwasserversorgung zu verbessern und die Artenvielfalt wichtiger, bestäubender Insekten zu bewahren. Im Rahmen Ihrer Studie zur Entwicklung der Anbaugebiete untersuchten Pablo Imbach und seine Kollegen die Entwicklung der jeweiligen bestäubenden Wildbienenpopulation, die das Gedeihen der Pflanzen sowie den Ertrag fördern. Um den sichtbaren Veränderungen des Klimawandels zumindest noch teilweise entgegen zu steuern, empfehlen die Wissenschaftler den Erhalt der an die Tropenwälder angrenzenden Kaffeeplantagen. Für Wildbienen sein dies wichtige Lebens- und Rückzugsräume. Selbst die SCA empfiehlt in Ihrem White Paper zum Klimawandel klimaschonende landwirtschaftliche Praktiken, Maßnahmen zum Aufbau von Bodenfruchtbarkeit sowie verstärkten Ressourcenschutz. Um jedoch wirklich etwas zu erreichen, müsse der CO2-Fußabdruck jedoch auf allen Ebenen gesenkt werden.

Was heißt das nun für uns?

Es könnte fast der Eindruck entstehen das der Weg des Kaffeeanbaus klar ist. Die Branchen sind jedoch noch weit von der Umsetzung im großen Stil entfernt. Dass sich durch ausgewogenen, diverse und funktionierende Öko-Systeme die Verwundbarkeit durch die Klimawandelfolgen erheblich senken ließe, ist wissenschaftlicher Konsens. Doch Nachhaltigkeit und Biodiversität, das bedeutet eben auch die Abkehr von der bislang einseitigen Fokussierung auf Effizienz und Ertrag, auf Monokulturen. Stattdessen müssen Kaffeebauern nun viel mehr über ökologische Anbautechniken und Verfahren sowie über Nachhaltigkeit lernen und dieses Wissen gezielt anwenden. Doch wie so oft ist dieses Wissen nicht umsonst. Für diese dringend notwendigen Investitionen können jedoch nicht die Erzeuger aufkommen, die ohnehin das schwächste Glied der Wertschöpfungskette darstellen. Stattdessen braucht es Solidarität entlang der Wertschöpfungskette, die sich vor allem durch höhere Preise ausdrückt – und das an beiden Seiten der Kette.

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